Erinnerungen an den Wahnsinn...

Am 8. Mai jährte sich das Kriegsende 1945. Das war der Endpunkt unserer deutschen Katastrophe und der Beginn eines Neuanfanges. Wie sehr sich die Ereignisse in unser Kollektives Bewusstsein eingebrannt haben erfährt man immer dann wenn sich Zeitzeugen an diesen Wahnsinn erinnern – und das ist gut so.

 

Waltraud Aspenleiter (Jahrgang 1923)

betrieb in Dörrenbach viele Jahre lang den legendären Schuhkeller; sehr zur Freude zahlreicher Touristen, die seinerzeit auch deswegen nach Dörrenbach fanden. Hier ein Auszug aus ihren Erinnerungen; unter anderem ein Brief an ihre Enkelin. Beides erlaubt einen Blick in den selbst erlebten Wahnsinn unserer deutschen Katastrophe.

 

Weihnachten 1944
(geschrieben im Dezember 2004 )


In diesen Tagen sind es genau sechzig Jahre, dass der zweite Weltkrieg seine verheerenden Spuren durch Dörrenbach zog. Wegen der feindlichen Übermacht, und durch den massiven Einsatz der Amerikaner mussten sich deutsche Truppen aus Frankreich zurückziehen. Ab Mitte Dezember lag Dörrenbach unter Granatbeschuss. Bedrohlich heulend flogen die Granaten über die Dächer, bevor sie krachend in Häuser und Gärten einschlugen. Unser Garten hinter dem Haus war von Trichtern übersäht. Frauen mit Kindern waren zu der Zeit schon evakuiert. Auch Vater war mit den zwei Kühen in einen Stall in der Stäffelsbergstrasse gezogen, wegen des Unterstandes im Rothöhlchen, den er bei Beschuss aufsuchte.

 

Ich selbst habe noch wie gewohnt meinen Dienst auf dem Rathaus versehen. Es kamen immer viele Leute, die sich abmeldeten, um Reisemarken abzuholen. Auch hatte ich Telefondienst. Zur Mittagszeit begann ein heftiger Beschuss. Diesmal waren es Phosphorgranaten die einschlugen. Ich höre immer noch die Dachziegeln und Granatsplitter hernieder prasseln. Als es wieder ruhig wurde, traute ich mich aus dem Keller des Elternhauses. Einige Häuser und Scheunen standen in Flammen, dicke Rauchwolken hüllten das Dörfchen ein.

 

Der Bürgermeister Trauth, den ich hinterher am Schutzbunker an der Talstraße traf, ordnete die Räumung des Rathausbüros an. Standesamtsakten und alles, was von Wert war, verluden wir auf sein Pferdefuhrwerk. Mit diesem Wagen konnte ich am gleichen Abend noch nach Leinsweiler mitfahren. Dies dürfte der 19. Dezember 1944 gewesen sein.

 

Meine Tante Kätel, die mit Familie in Leinsweiler schon Quartier gefunden hatte, nahm mich bereitwillig auf, bis ich in einem Bauernhaus nach einigen Tagen ein Zimmer gefunden hatte. Nachts wurden wir durch starken Lärm von der Durchgangsstraße aus dem Schlaf gerissen.

 

Peitschenknallen und Hufgeklapper drang durch die geschlossenen Fenster. Ein Verband zurückweichender deutscher Soldaten. Sie mussten mit lauten, anfeuernden Zurufen die Pferde antreiben, die im Schutz der Dunkelheit nur mit großer Anstrengung ihre schweren Fahrzeuge die gerade hier ansteigende Straße bis zum befohlenen Zielort vorwärts bewegen konnten. Oh Gott, wo geht die Reise hin? Was wird denn morgen sein?

 

Ja, Weihnachten stand vor der Tür.

Warum sollte ich nicht zum Fest die zwei Tanten in Speyer besuchen? Und so machte ich mich am Vorweihnachtstag bei Minusgraden zu Fuß die verschneiten Straßen entlang bis zum Bahnhof Landau. In der unbeheizten Bahnhofshalle wartete ich, bis ein Zug in Richtung Speyer abfuhr. Als ich dort glücklich ankam, war es dunkel geworden. Wegen des Krieges herrschte allgemeine Verdunkelung. Keine Lichter!

 

Ich kannte mich in der Stadt gut aus, nachdem ich von 1.12.39 bis Ende Juni 1941 bei Dentist Walch in Speyer beschäftigt war. Der Weg bis zur Rheinstrasse war kein Problem für mich. Unterwegs traf ich auf eine kleine Gruppe von Leuten. Das war doch Vaters Stimme, die ich da hörte? Tatsächlich, er war auch an diesem Tag nach Speyer gekommen und hatte diese Leute nach dem Weg gefragt. Gemeinsam gingen wir hinunter zum Rhein und klopften unangemeldet bei Verwandten an. Hungrig verschlangen wir das Abendessen, das nach den Strapazen des Tages ein willkommener Imbiss war. Der traute Kerzenschein brachte etwas Licht und Wärme in die traurige Stimmung des Weihnachtsabends.

 

Blick vom Rathaus aufs Elternhaus (Bild:W. Aspenleiter)

Im Januar, als die Deutschen Einheiten das Elsass zurück erobern konnten, kam ich nach Dörrenbach zurück. Auch unsere Scheune war, wie viele andere Anwesen abgebrannt. Unser Wohnhaus ragte wie das Rathaus und die Kirche beschädigt aus den Trümmern hervor. Die zerborstenen Dachziegeln, die haufenweise im Hof lagen, hat Vater in den Garten gekarrt und die Granattrichter damit aufgefüllt. Es gab keinen Strom. Das Wasser mussten wir am Brunnen im Oberdorf holen. Vieh war keines mehr da, nur ein paar Hühner hatten sich retten können.

 

(Ein Brief an die Enkelin)

 

Der lieben Lea zum 16. Geburtstag.

Mein Lebensabschnitt genau in Deinem jetzigen Alter.

 

Auch ich habe in Deinem Alter schon mal einen Freund gehabt. In der Gemarkung Dörrenbach waren zwei Lager des Reichsarbeitsdienstes errichtet. So gab es manchmal kleine Treffs mit Arbeitsmännern, wenn sie keine Ausgangssperre hatten. Aber ich war genau so alt, wie Du jetzt, als der zweite Weltkrieg ausbrach. Unser Heimatort Dörrenbach wurde geräumt, weil zu nahe an der Grenze zu Frankreich. Wir mussten unser Bündel packen und wurden über den Rhein transportiert. Das Elternhaus mit allem Vieh, das ich vorher versorgen half, mussten wir einfach zurücklassen. Zuerst ging die Fahrt mit Sonderzug nach Weismain in Oberfranken, wo Mutter mit unseren drei Jüngsten schon untergebracht war. Von dort wurde ich vom Arbeitsamt mit drei Gleichaltrigen nach Eisfeld in Thüringen beordert.

 

Dort mussten wir in einer Fabrik arbeiten. Früh um sieben Uhr war Arbeitsbeginn, während es Anfang November schon geschneit hat. Es war streng verboten, den Arbeitsplatz zu verlassen, wenn man nicht eine andere Arbeit nachweisen konnte. Weil ich das Leben dort in der Fremde so unerträglich fand, ließ ich mir von meiner Schwester Ilse, die in Speyer arbeitete, dort in dieser Stadt eine Arbeit suchen. Die gab es zur Genüge.

 

Am 1. Dezember 1939 fuhr ich dann mit meinen sechzehn Jahren im ungeheizten Abteil der deutschen Bahn durch schneebedeckte Felder zurück in die Pfalz. Am 2. 12.1939 fing ich dann bei einem Zahnarzt in Speyer als Hausgehilfin an.

 

Meine Unterkunft, ein unbeheiztes Zimmer, oben in der Mansarde. Um halb sieben klingelte der Wecker und dann begann der Arbeitstag, Das Sprech- und Wartezimmer mussten täglich gereinigt und als erstes die Öfen beheizt werden. War ich damit fertig, ging die Arbeit in der Wohnung weiter. Im Wohn-und Kinderzimmer kehren, blocken, Teppich saugen, abstauben und dann das Frühstück auftragen. Später wieder abtragen und spülen. Dann war das Elternschlafzimmer, Treppenhaus und Diele an der Reihe, bevor die Arbeit in der Küche begann.Die Eierkohlen zum Beheizen von insgesamt vier Öfen, musste ich täglich vom Keller zum zweiten Stock rauf tragen. Und die Asche wieder runter in den Hof zum Ascheneimer. Durch Eis und Schnee, wie wunderbar. Im Laufe des Tages fielen noch alle mögliche Arbeiten an, die ohne Murren zu erledigen waren.

 

Einmal die Woche musste ich nachmittags zur Berufsschule hetzen. Ich kam fast immer zu spät. Aber gerügt wurde ich deshalb nicht. Die Lehrerin wusste, dass ich zuerst die Küche fertig machen musste, bevor ich mich auf den Weg, quer durch die Stadt machte.

 

Sonntags hab ich meistens meine Schwester Ilse getroffen. Natürlich erst nachmittags. Wir gingen spazieren. Im Kaffee konnte man damals trotz Krieg noch ein Stück Kuchen bekommen. Aber viel Geld hatten wir nicht. Für einen ganzen Monat Arbeit bekam ich 20,-- Mark. Im Sommer fuhren wir schon mal sonntags mit dem Fahrrad heim nach Dörrenbach. Hier hat wegen der Räumung nur Vater gehaust.

 

Wir haben geputzt, im Garten Matratzen geklopft und wieder ins Haus zurück getragen. Abends radelten wir wieder zurück nach Speyer, ca 45 Km. In vielen mondhellen Nächten heulten die Sirenen, weil feindliche Bombenverbände im Anflug waren. Ihr Ziel war Ludwigshafen, wo sie regelmäßig ihre Bombenlast auf grausame Weise ab luden. Überall, wo die Sirenen heulten, mussten die Keller, bis zur Entwarnung aufgesucht werden. Meistens blieb ich dann lieber im Bett. Oben in meiner Mansarde.

 

Geklagt oder gescholten haben wir nie. Weder über das karge Essen, noch über die Arbeit nach Stundenplan. Es war nun mal so, und wir waren zufrieden mit Gott und der Welt.

 

Ja, liebe Lea, das ist der Unterschied zwischen früher und heute. Vergiss es bitte nicht. Das war ein Leben ohne Disko. Tanz war im Krieg streng verboten. Im Sommer 1941 kehrte ich mit meinem Fahrrad und einem Koffer zurück nach Dörrenbach, denn Herr Walch, der Zahnarzt wurde als Soldat eingezogen. Wieder im Kreise der Familie ging das Leben weiter.

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