Aus dem "Nähkästchen" geplaudert....

Irmgard Pradel wuchs in der Südpfalz auf. Das Damenschneiderhandwerk erlernte sie „von der Pike auf“ in einem Meisterbetrieb traditioneller Prägung, um ihr Wissen dann in einem Pforzheimer Modehaus zu komplettieren. Jahrzehnte der Selbstständigkeit und ein Ehrenamt in der berufsständischen Organisation prägten sie. Die Familie mit drei Kindern, einem Mann, zwei Omas mit allem drum und dran forderten sie zusätzlich. Und nun, im Ruhestand, hat sie Zeit und Muße, Erinnerungen und Gedanken, schon mal Gedachtes und auch noch nie Gedachtes aufzuschreiben.
Ob´s ein Buch wird? Wer weiß. Der Anfang ist gemacht.
Der deutliche Rückgang der Maßschneidereibetriebe veranlassen mich zu einigen Äußerungen zum Thema Garderobe. Und ich tue dies in Erinnerung an all meine lieben
Kundinnen, die im Laufe meiner 40jährigen Berufstätigkeit auch Freundinnen geworden sind.
In den Anfängen der Menschheit war Kleidung offensichtlich zweckgebunden. Wärmende Felle und schon bald darauf Gewebe lassen darauf schließen, dass das Schneiderhandwerk auch eines der ältesten
Handwerke überhaupt ist. Es ist nicht daran zu rütteln: Kleider machen Leute! Also: Die wichtigste Nebensache der Welt und eines er schönsten Hobbys. Inzwischen sind wir im 21. Jahrhundert angekommen
und auch Autos dienen längst nicht mehr nur der Fortbewegung.
Was brauch ich schon. Einen warmen Mantel, einen Bikini und ein wenig für dazwischen. Mittlerweile ist aus einem Grundbedürfnis ein ganzer Handwerks- und Industriezweig geworden. Ich nenne es Mode
damit können die meisten Menschen etwas anfangen, denn Mode ist, was gefällt; oder Mode ist, was „in“ ist, also was die meisten Menschen tragen.
Wer heute einen Stadtbummel macht, erlebt in Bezug auf die Garderobe nichts Aufregendes. Eigentlich schade, zumal es hier auch um einen Wirtschaftszweig geht, der im Besonderen im Mittelstand
(Handwerk) erhalten werden sollte. Wer sich hübsch anzieht, wird gerne als eitel bezeichnet. Nicht gesehen wird jedoch, dass derjenige, welcher auf seine Figur achtet, auch gleichzeitig zu
seiner Gesundheit beiträgt. Natürlich kann man ein Hobby daraus machen, aber genau wie in vielen anderen Bereichen ist hier der goldene Mittelweg eher angebracht.
Zum Thema Wirtschaftszweig fällt mir eine heitere Anekdote von Lieselotte aus der Pfalz ein. Angeblich nicht gerade hübsch und- wie damals in solchen Kreisen üblich- ohne Vorbildung, wurde sie an den
Hof des Sonnenkönigs verheiratet. Sehr klug jedoch und auch nicht schüchtern, lehnte sie sich auf. Gegen den ausschweifenden Lebenswandel, und natürlich auch gegen die vielen Schleifchen, der
damals aufwendigen Kleider. Der Sonnenkönig schätzte ihren Rat und schaffte kurzerhand die Schleifchen ab. Logischerweise mit dem Ergebnis dass alle Schleifchenmacher in Paris arbeitslos
wurden.
Und schon sind wir bei einem ganz anderen nicht unwichtigen auch noch sehr aktuellen Thema. Der Beruf der Schleifchenmacher in Paris durfte ja nicht kaputt gehen und prompt wurden die Schleifchen
wieder eingeführt. Sie waren wieder „salonfähig“. Wenn ich heute Reißverschlüsse an Kleidungsstücken sehe, wo sie gar keinen Sinn ergeben, dann könnte es genau dieses Phänomen sein, warum also
nicht.
Übers Handwerk
Die Liebe zu meinem Beruf, zum Handwerk überhaupt, veranlasst mich zu der Feststellung, dass Einfallsreichtum und Flexibilität von großer Bedeutung sind, denn die Grenzen zwischen Kunst und Handwerk
sind fliesend. Es geht nämlich immer ums Gestalten, etwas herstellen, aus Stoffen, Holz, Metall, Stein, u s w.
Nun sind wir ja in der Informationsgesellschaft angekommen, einer sehr schnelllebigen Zeit, geprägt von Technik und Maschinen. Letztere sollten uns die Arbeit erleichtern, nicht aber ganz
abnehmen. Sollte sich unter diesem Aspekt jemand zum Damenschneiderhandwerk berufen fühlen, so sind Illusionen sicher nicht angebracht. Auch bin ich nicht sicher, ob der Spruch:“ Handwerk hat
goldenen Boden“ heute noch seine Gültigkeit hat. Dennoch, sie können Ihr eigener Chef sein und der ständige Kontakt mit Kunden bedingt einen ständigen Lernprozess und erhält die Flexibilität. Nicht
nur ich, sondern viele meiner Kolleginnen hatten und haben, die Möglichkeit, gleichzeitig Kinder und Oma oder Opa zu betreuen.
Risiken ergeben sich aus den hohen Kosten, welche die Anmeldung eines Betriebes mit sich bringt. Auch macht es mich immer traurig, muss ich das Wehklagen über die ach so hohen
Handwerkerrechnungen hören. Auch stimmt mich die Abschaffung des Meisterbriefes bedenklich. Er ist nicht nur ein Titel, sondern eine Höherqualifizierung, welche zum Ausbilden befähigt. Vorübergehend
mag sein Wegfall eine Lösung sein, doch wer bildet nun künftig den Nachwuchs aus? Auszubildende sind nicht, wie oft angenommen, billige Arbeitskräfte. Ein Meister der seine Aufgabe ernst nimmt,
wendet viel Zeit und Geduld für deren Ausbildung auf, die er letztlich dann auch noch selbst finanzieren muss. Dennoch ist es eine wunderbare Aufgabe, zu sehen, dass junge Menschen lernen wollen! Sie
wollen eine Aufgabe, um in unserer Gesellschaft Fuß zu fassen.
Erkennbar ist aber leider auch der Wunsch, möglichst schnell das große Geld zu verdienen, um an Prestige und Ansehen zu gelangen. Dies soll wohl die mangelnde menschliche Wertschätzung in der
heutigen Zeit ersetzen.
Zurück zur schönen Seite der Kleider. In 40 Jahren Praxis konnte ich feststellen, dass kleine Mädchen sich gerne „modeln“. In späteren Jahren bietet sich diese Möglichkeit so richtig im
Fasching oder bei Festen, wobei der Wunsch, eine Prinzessin zu sein, oft an vorderster Stelle steht. Bei Hochzeiten von Prominenten sitzen ganze Nationen vor dem Bildschirm, um eine schöne Braut zu
sehen. Junge Frauen verwirklichen sich gerne den Traum, eine Braut zu sein und so, wie eine Prinzessin auszusehen.
Kleine Tipps:
Obwohl sich in Punkto Garderobe in den letzten Jahrzehnten viel geändert hat, so gibt sie über unser Wesen doch immer Entscheidendes preis.
Im Mittelalter war es verboten, dass, die Arbeiterklasse, Bedienstete und Bauern, die gleiche Garderobe trugen, wie die Herrenklasse, der Adel. Inzwischen hat sich dies geändert. Den
gesellschaftlichen „Stellenwert“ erkennt man nicht mehr an der Kleidung, sondern eher am Geschmack der Trägerin. Selbst die Wahl der Farben sagt etwas über Ihre Persönlichkeit aus.
Sich selbst treu bleiben ist gestattet, sogar ratsam, auch wenn es nicht dem augenblicklichen Trend entspricht. Ich habe oft beim Anblick von Passanten gedacht, „man muss ja nicht mehr darstellen,
als man ist“, aber bitte auch nicht weniger. Gutes Aussehen soll sich auch nicht nur auf das Äußere beziehen. Es ist schon was dran, Schönheit kommt von Innen.
Ein paar Tipps für Ihren Kleiderschrank möchte Ich Ihnen trotzdem geben, die Erfahrung von 40 Jahren Betreuung spricht dafür.
Meine Kundinnen sind mit mir älter geworden. Es klafft eine Lücke im Angebot für Frauen, die nicht mehr jung, aber noch nicht alt sind Natürlich können nicht alle Frauen Maßgeschneidertes tragen und
die Beratung einer Schneiderin in Anspruch nehmen. Leider! Falls jedoch die Möglichkeit besteht, sollten sie sich von einer Meisterin beraten lassen. sie hat gelernt, wie sie sich am vorteilhaftesten
anziehen.
Ganz wichtig ist, dass sie Ihren Stil finden und nicht mit Gewalt tragen, was gerade der Modetrend ist. Sie selbst schauen Ihr Spiegelbild an und fühlen sich wohl oder auch nicht.
Wie oft hab ich gehört: „Anderen schaut er nach, bei mir schaut er nicht.“ Dazu kann ich nur sagen: “Tun sie´s in erster Linie für sich, ein sicheres Auftreten stärkt Ihr Selbstbewusstsein“.
Über die Kunst, sich anzuziehen.
Bei allem Respekt und Anerkennung des individuellen Geschmacks gibt es ein paar wichtige Grundregeln für die Garderobe, denn es gilt: „votre Loc – votre Carte de Visite“ „Elegance“ (Unsere
Erscheinung ist unsere Visitenkarte)
Kleidung als Sprache. Denken sie beispielsweise an die Aussagekraft von Uniformen wie beispielsweise bei der Polizei oder beim Militär, hier wirkt Kleidung Respekt einflößend. Das Äußere gibt hier
eindeutige Signale. Kleiden sie sich sachlich nüchtern, romantisch, sexy, seriös oder aufreizend, bis zur Gleichgültigkeit. Ihr Outfit spiegelt eindeutig eine innere Haltung wieder. Genau darauf
bezieht sich diese Aussage.
Bei aller Jeans-Euphorie ist doch deutlich festzustellen, dass die meisten Frauen sich gern hübsch anziehen und das männliche Geschlecht gern einen Blick riskiert. Bei Modenschauen kann man dies
leicht nachvollziehen. Die Frage, ob der Blick dabei der Trägerin gilt, darf ruhig offen bleiben. Meine Bemühungen gehen übrigens dahin, letzteren Satz nicht all zu ernst zu nehmen.
Glücklich die Frau, die ein Modell bewundern kann und dann auch weiß, dass dieses für sie nicht tragbar ist. Aber auch hier gibt es Naturtalente. Diese Gruppe versteht es, mit wenig Zeit und
Geldaufwand immer adrett auszusehen.
Ich möchte hier ein paar Tipps verraten, die sie vielleicht weiterbringen. Wichtige Punkte bleiben, sich typgerecht zu kleiden. Wählen sie stets die figurgerechte Rocklänge oder Hosenform.
Wichtig zu unterscheiden, die klassische Garderobe (zeitlos) von modischen Gag´s, die sich von Jahr zu Jahr ändern, sie sollten der Jugend vorbehalten bleiben.
Und schon sind wir beim Sinn der Garderobe angelangt. Jeder möchte sich von seiner besten Seite zeigen. Dabei kann wie so oft ein „zu viel“ genau so schädlich sein, wie ein „zu wenig“.
Wer unterscheidet noch zwischen Sonn- und Werktag. Grund dafür ist oft der so beklagte Zeitmangel, Berufstätigkeit der Frau u.s.w.
Ein bekannter Modemacher sprach davon, dass er Frau Merkel wie eine Trümmerfrau anziehen würde, weil sie die Trümmer der Vorgänger wegzuräumen hat.... Was in der Nachkriegszeit notwendiges Utensil
war, hat sich seit dieser Zeit als ausgesprochen praktisch erwiesen und bei den Frauen durchgesetzt. Sie wurde zum festen Bestandteil in der Modewelt. Die Hose ist salonfähig geworden, und dies im
wahrsten Sinne dieses Wortes.
Ich sitze hier in meinem idyllischen Dörrenbach und habe die notwendige Ruhe für meine Fantasie. Manch eine Dame kam mit der Absicht, mich erst mal aufklären zu müssen, über das, was man gerade
trägt. Ein Horror, anzunehmen, dass jeder alles tragen kann.
Mode ist, was gefällt. Nutzen sie die Chance zu tragen, was am besten zu ihnen passt. Eine feste Richtung, eine Modediktatur, ist gar nicht vorgegeben. Erlaubt ist, was gefällt.
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Soviel zunächst. Ob´s weitergeht? Wer weiß. Jedenfalls wird die Autorin weiter über dies Thema und die unglaubliche Vielfalt der Möglichkeiten nachdenken, zu neuen
Einsichten kommen, aufregende Entdeckungen machen und auch sicher das Eine oder Andere aufschreiben.
Wenn Sie Kontakt aufnehmen möchten, können Sie dies per eMail tun und einfach das Kontaktformular benutzen
Pradel Dörrenbach
